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This commit is contained in:
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index.md
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index.md
@@ -1,9 +1,10 @@
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## Tracking und das Sammeln von personenbezogenen Daten
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David Reinartz, Felix Förtsch
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Stand: 04.01.2022
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Stand: 07.01.2022
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Ausarbeitung zum gleichnamigem Vortrag im Modul Gesellschaftliche Strukturen im Digitalen Wandel
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### Guide (Video von Felix)
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### Praktischer Guide
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(Video von Felix)
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### Hintergrund
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#### Wieso Privatsphäre? Ich hab doch nichts zu verbergen!
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@@ -39,7 +40,7 @@ Dadurch können diese Unternehmen ihre eigenen Websites bis ins kleinste Detail
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Zusätzlich verkauft z.B. Google Werbeplätze an andere Unternehmen und kann mit der Masse an Nutzerprofilen dafür sorgen, dass die Werbung Nutzern gezeigt wird, welche wahrscheinlich darauf klicken.
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Ist man sich dessen nicht bewusst geht man vielleicht sogar davon aus, dass alle Leute die selbe Werbung sehen und lässt das in seine Kaufentscheidungen einfließen.
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Persönliche Daten werden auch zur Einschätzung von Kredit- und Vertrauenswürdigkeit genutzt.
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Nimmt man einen Kredit auf oder möchte man eine Wohnung mieten, so hat die verkaufende Seite ein legitimes Interesse daran zu wissen ob der Kunde zahlungsfähig ist.
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Nimmt man einen Kredit auf oder möchte man eine Wohnung mieten, so hat die Anbieterseite ein legitimes Interesse daran zu wissen ob der Kunde zahlungsfähig ist.
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In Deutschland ist die größte Firma in diesem Bereich, eine sog. Wirtschaftsauskunftei, die SCHUFA.
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Sie sammelt Daten über aufgenommene Kredite, Rückzahlungsverhalten, Onlinekaufverhalten und mehr.
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Daraus berechnet sie mit proprietären statistischen Methoden die Wahrscheinlichkeit, ob ein Kunde zahlt.
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@@ -48,11 +49,11 @@ Wenn man als Kunde jedoch einen schlechten SCHUFA-Score hat und durch dessen geh
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Ein Schutz vor dieser Art von Datensammlung ist schwieriger als der Schutz online.
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Ein Extrembeispiel von Datensammlung lässt sich in China beobachten.
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Dort werden personenbezogene Daten innerhalb des sog. Social Credit Systems genutzt um die Vertrauenswürdigkeit der Bürger von staatlicher Seite einzuschätzen.
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Da das Social Credit System nicht von einem Privatunternehmen sondern von der Regierung ausgeht, ist die Motivation ist die Motivation hinter der Datenerhebung eine andere.
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Da das Social Credit System nicht von einem Privatunternehmen sondern von der Regierung ausgeht, ist die Motivation hinter der Datenerhebung eine andere.
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Ein großer Aspekt ist die Erziehung der Bürger nach von der Regierung bestimmten moralischen Grundsätzen.
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Verhält man sich entsprechend gut, bekommt man Pluspunkte auf sein Punktekonto.
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Dies geschieht zum Beispiel wenn das eigene Kind in die Armee eintritt.
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Verhält man sich schlecht, indem man beispielsweise eigenen Eltern nicht oft genug besucht oder die Regierung kritisiert, erhält man Minuspunkte.
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Verhält man sich schlecht, indem man beispielsweise die eigenen Eltern nicht oft genug besucht oder die Regierung kritisiert, erhält man Minuspunkte.
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Der Punktestand entscheidet dann mit über die Möglichkeit Kredite aufnehmen zu können oder Plätze an begehrten Universitäten zu bekommen.
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Noch ist das Social Credit System in China nicht vollständig ausgebaut.
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Zudem ist es weit komplexer und fragmentierter als es nach außen hin den Anschein macht.
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@@ -83,82 +84,79 @@ Mit den Informationen in unserem Guide kann jeder jetzt einen Schritt in die ric
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### Diskussion
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In einer fiktionalen Zukunft im Jahr 2098 ist die Einführung eines Sozialkredits geplant.
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In einer fiktionalen Zukunft im Jahr 2098 kurz vor dem Zusammenschluss der europäischen Länder in der Zentralverwaltungszone "Neuropa" ist die Einführung eines Sozialkredits geplant.
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Den Seminarteilnehmern wurden vier geplante Punkteregeln vorgelegt.
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Jede Regel enthält zusätzlich die veranschlagten Plus- oder Minuspunkte.
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In zwei Partnerdiskussionsrunden wurden die Regeln nach Pro- und Contrapunkten und sinnvollen Änderungen untersucht.
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Anschließend wurde die zweite Regel in einer Gruppendiskussion genauer beleuchtet.
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Jede Regel enthält die Tat und die veranschlagten Plus- oder Minuspunkte.
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In zwei Partnerdiskussionsrunden wurden die Regeln nach Pro- und Contrapunkten sowie nach sinnvollen Änderungen untersucht.
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Anschließend wurde nach einer meinungsbildenden Abstimmung die zweite Regel in einer Gruppendiskussion genauer beleuchtet.
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Die editierten Ergebnisse der Diskussion sind unten dargestellt.
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#### Regel 1: Wöchentlich 20 km mit dem Fahrrad fahren -> +1 Punkt
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Pro:
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- Motivierende Regel
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- Gut für andere Aspekte des Lebens
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- Positive Reinforcement
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Con:
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- Verstärkte Unfallgefahr durch erhöhten Anreiz
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- Nachweis ist schwierig
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- Fälschungen sind einfach möglich
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- Nicht jeder hat Fahrrad
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- Unfair durch gesundheitliche Beeinträchtigungen (Opa vs. Kind, Rollstuhlfahrer)
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Änderungen:
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- Jährliche oder monatliche Punktevergabe
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Weitere Gedanken:
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- Was passiert wenn man auf dem Fahrrad eine Straftat begeht?
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- Pro:
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- Motivierende Regel
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- Gut für andere Aspekte des Lebens
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- Positive Reinforcement
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- Con:
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- Verstärkte Unfallgefahr durch erhöhten Anreiz
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- Nachweis ist schwierig
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- Fälschungen sind einfach möglich
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- Nicht jeder hat Fahrrad
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- Unfair durch gesundheitliche Beeinträchtigungen (Opa vs. Kind, Rollstuhlfahrer)
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- Änderungen:
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- Jährliche oder monatliche Punktevergabe
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- Weitere Gedanken:
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- Was passiert wenn man auf dem Fahrrad eine Straftat begeht?
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#### Regel 2: Beweise von Straftaten einreichen -> +10 Punkte
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Pro:
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Con:
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Änderungen:
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Weitere Gedanken:
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permanente Angst vor Spitzeln (siehe DDR)
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höherer verwaltungstechnischer Aufwand
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Verbesserung durch positive Propaganda
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Gibt es schon
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Con: Moralisch (?), anonym, eigentlich keine Belohnung nötig weil es den Normen entspricht
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-> zu wenig Pluspunkte
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Kein Bock auf Stasi
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Misstrauenskultur statt Vertrauenskultur
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Gibt es schon: 60 EUR für Strassenbahn-Hinweise
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Ist der Denunziant Anonym? -> Wer führt die Kontrollen durch? Bürger gegen Bürger hetzen?
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Man braucht es eigentlich nicht, weil es Normen in der Gesellschaft gibt
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Trade-off: Wir führen sowieso Regeln ein… wenn es wirklich eine Straftat ist, dann hilft es schon (Mord) vs Mülltonne ist fehlplatziert
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Die Liste der Straftaten spielt eine Rolle: Es ist relevant WELCHE Straftaten und Ordnungswidrigkeiten auf der Liste stehen
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Man bräuchte einen negativ Score für Falschanzeigen
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Überfüllung von Gefängnissen, Behörden müssen die Regeln auch durchsetzen
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Behörden müssten heutzutage schon die Regeln besser durchsetzen
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Wer bekommt denn die Punkte, wenn es mehrmals angezeigt wird
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- Pro:
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- Trade-off: Wir führen (im Szenario) sowieso Regeln ein… Wenn es wirklich eine Straftat ist, dann hilft es.
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- Con:
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- Erzeugt permanente Angst vor Spitzeln (siehe DDR)
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- Erzeugt hohen verwaltungstechnischen Aufwand
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- Moralisch fragwürdig
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- Erzeugt Misstrauenskultur statt Vertrauenskultur
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- Möglicherweise überfüllte Gefängnisse
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- Änderungen:
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- Mehr Pluspunkte
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- Zusätzliche Regel: Minuspunkte bei Unterbreitung von gefälschten Beweisen
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- Weitere Gedanken:
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- Gibt es schon: 60 EUR für Strassenbahn-Hinweise
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- Eigentlich sollte keine Belohnung nötig sein weil es den bestehenden Normen entspricht
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- Ist der Denunziant anonym?
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- Wer führt die Kontrollen durch? Werden so Bürger gegen Bürger gehetzt?
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- Die Liste der Straftaten spielt eine Rolle: Es ist relevant WELCHE Straftaten und Ordnungswidrigkeiten auf der Liste stehen
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- Wie soll bei einer derartig groben Regel die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden? Beweise für Verletzungsdelikte sind wichtiger als jene für harmlose Ordnungswidrichkeiten.
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- Wer bekommt die Pluspunkte, wenn eine Straftat mehrmals angezeigt wird?
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#### Regel 3: Vandalismus an öffentlichen Einrichtung -> -20 Punkte
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Pro:
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- Pro:
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- Vandalismus geht alle was an und schadet allen
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- Änderungen:
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- Mehr Minuspunkte
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- Weitere Gedanken:
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- Es gibt unterschiedliche Arten von Vandalismus
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Con:
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Änderungen:
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Weitere Gedanken:
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Nachweis (?)
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Fehler beheben (?)
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Unterschiedliche Arten von Vandalismus
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Pro: Geht alle was an und schadet alle
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-> zu wenig Minuspunkte
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#### Regel 4: Beihilfe zur illegalen Einreise -> -100 Punkte
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Pro:
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- Änderungen:
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- Weniger Minuspunkte
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Con:
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Änderungen:
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Weitere Gedanken:
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humanitäre Leistung
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100 Pkt. zu viel
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#### Gesamt
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-> Schwierig / unmöglich Verhältnismäßigkeit zwischen Punkten für Regeln zu erstellen
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-> Welche Regeln werden mit aufgenommen? Wer entscheidet das?
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#### Auswertung
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Die Diskussion hat auf einige Schwachstellen eines möglichen Sozialkreditsystems hingewiesen.
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Zunächst besteht die Frage welche Regeln aufgenommen werden und wer darüber entscheidet.
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Die in vielen Ländern bestehenden Gesetzeskataloge sind durch unzählige Mitwirkende über Jahrhunderte gewachsen und spiegeln so im Idealfall die mittlere Moral der gesamten Bevölkerung wieder.
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Im Zukunftsszenario werden die Regeln von einer zentralen "neuropäischen" Partei vorgegeben.
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Eine derartige, radikale Zentralisierung ermöglicht es der Partei mit den passenden Regeln ihre eigene Ideologie durchzusetzen.
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Desweiteren ist es nahezu unmöglich die Verhältnismäßigkeit zwischen den Regeln zu bewahren.
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Während der Diskussion wurden für alle der vorgeschlagenen Regeln Änderungen an der zugehörigen Punktvergabe vorgeschlagen.
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Wer entscheidet wieviele Plus- oder Minuspunkte man für welche Handlung bekommt?
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Bei weiterer Untersuchung stellte sich die Frage, ob eine Verhältnismäßigkeit überhaupt hergestellt werden kann.
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Ist es wirklich so, dass das Einreichen von Beweisen (+10 Punkte) genauso "gut" ist wie zehn Wochen mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren (+1 Punkt pro Woche)?
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Habe ich eine Vandalismus-Erlaubnis (-20 Punkte) nachdem ich zwei mal Beweise für Straftaten abgegeben habe (je +10)?
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Schon in unserem minimalen Zukunftsszenario wird deutlich, dass ein derartiges Aufrechnen müßig ist.
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Unterschiedliche Taten haben diverse Motivationen und sind je nach Situation unterschiedlich zu bewerten.
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Letztlich besteht auch die Frage nach der Fairness von starren Regeln.
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Jede Person ist mit eigenen Stärken und Schwächen individuell.
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Während einige sowieso schon regelmäßig mit dem Fahrrad ist dies für andere aus gesundheitlichen Gründen unmöglich.
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Derartige menschliche Unterschiede können in einem Sozialkreditsystem wie es im Szenario vorgeschlagen wurde nicht berücksichtigt werden.
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Insgesamt zeigt sich, dass in der Diskussion einige allgemeine Probleme in möglichen Sozialkreditsystemen aufgezeigt werden konnten.
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Die überwiegend kritische Auseinandersetzung mit den vorgeschlagenen Regeln führte zu einer interessanten und intensiven Gesprächsrunde.
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